Es ist mit Abstand die längste Studie, die es zu diesem Thema gibt. Seit 1937 begleiten Mediziner, Psychologen und Soziologen der Harvard University 268 Menschen und suchen nach Antworten auf die Frage: Was macht ein glückliches, zufriedenes Leben aus?

Mit systematischem Vorgehen wollen die Forscher diese Fragen untersuchen und belastbare, statistisch fundierte Antworten finden. Psychologen führen alle paar Jahre ausführliche Gespräche mit den Teilnehmern, alle fünf Jahre werden sie umfassend medizinisch untersucht und dazwischen füllen sie mehrmals im Jahr zahllose Fragebögen aus. Fragen wie diese: Was stört Sie gerade in Ihrem Leben? Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Eheleben? Was macht Sie glücklich?

Einiges ist vermutlich vorhersehbar, was unter den Ergebnissen der noch andauernden Studie zu finden ist. Regelmäßige körperliche Bewegung macht ein gesundes und zufriedenes Leben ebenso wahrscheinlicher, wie nicht zu rauchen und wenig Alkohol zu trinken.

Aber die Studie enthält auch Überraschendes: Der mit Abstand wichtigste Faktor für ein glückliches und zufriedenes Leben ist die Qualität unserer Beziehungen. „Das mit Abstand wichtigste ist die Bindung“, sagt Vaillant, der Leiter der Studie. „Dabei geht es nicht unbedingt um die Bindung zum Lebenspartner, sondern eher um die grundsätzliche Beziehung zu anderen Menschen.“ – wer echte und tiefe Verbindungen zu anderen Menschen hat, der lebt am zufriedensten.

Niemand ist in seinem Leben vor Rückschlägen und schmerzhaften Erfahrungen gefeit.“Jeder erlebt schwierige Situationen“, sagt Vaillant. Wesentlich sei, wie man dann mit diesen Erfahrungen umgehe. Besonders gut gelingt dies den Menschen, die Vaillant „Adaptierer“ nennt. Sie akzeptieren solche Erlebnisse als notwendigen Teil des Menschseins und stellen sich ihnen. Und sie verarbeiten solche Situationen, ohne sich selbst oder andere dafür zu geißeln – sondern sie lernen daraus für die Zukunft.

Das bestätigt sich auch in einer anderen überraschenden Erkenntnis der Studie: In fortgeschrittenem Alter lässt sich kaum noch ein Einfluss der Kindheit feststellen. „Niemand ist ein Gefangener seiner Kindheit. Entgegen der weitläufigen Meinung bestimmt sie das Leben im Alter nicht“, sagt Vaillant.

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